Traumwelt Tibet

Von Redaktion ·

Eine Ausstellung im Völkerkundemuseum Zürich präsentiert westliche und chinesische Trugbilder zum „Shangri-La“ im Himalaya.

Waren die Träger der westlichen Pilgerschaft nach Tibet zuerst vor allem Missionare, so gesellten sich später Forscher, Abenteurer, Esoteriker – und schließlich, nach der chinesischen Besetzung – noch die SympathisantInnen mit tibetischer Freiheit und Geistigkeit hinzu. Und die Bilder, die sie beschrieben, zeichneten, malten, fotografierten, entsprachen und entsprechen jenem Bild, das sie sich bereits von diesem Land gebildet haben.

Viele reisen aber gar nicht wirklich ins Land des Dalai Lama, sondern erfinden sich ihr eigenes Tibet, und diese Traum- und Trugbilder von einem Hort des Friedens und der Weisheit, des langen Lebens und der Wahrheit stehen im Mittelpunkt dieser äußerst sehenswerten Ausstellung in Zürich.

Verständlich, dass es dabei häufig zu Zerrbildern kommt. Die kommerzielle Ausbeutung des Mythos Tibet fördert diese Entwicklung: levitierende Lamas als Comic, geheime tibetische Riten als Puzzle, tibetische Mönche als Werbung für ein Notebook – der Phantasie ist auch im Geschmacklosen keine Grenze gesetzt.

Die Breite der westlichen Trugbilder ist in vier Themenkreise gegliedert: Missionare und Okkultisten bis hin zu den Nazis; die Tibet-Rezeption Hollywoods; Tibet als Ethno-Label und die Hinterfragung der Faszination der Traumwelt Tibet. Abgeschlossen wird die Schau mit dem chinesischen, aus politischer Zweckmäßigkeit entstandenen Trugbild zu Tibet.

Die Ausstellung läuft noch bis Mitte Mai 2001 und wird begleitet von zahlreichen Veranstaltungen, Filmvorführungen, Workshops.

Soeben erschien auch ein sehr informativer, reichlich bebildeter Katalog zum Thema von Martin Brauen (Haupt Verlag, Bern 2000, 296 Seiten, öS 555,-).

Weitere Auskünfte auf der Homepage www.musethno.unizh.com.

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