Und die Frauen ?

Welche Auswirkungen der Faire Handel speziell auf Produzentinnen hat, wurde kürzlich in einigen Studien näher beleuchtet.

Von Carolin Callenius
Eine repräsentative Untersuchung im Auftrag der englischen Hilfsorganisation Oxfam im Jahr 2000 ergab, dass es Projektpartnerinnen des Fairen Handel besser gehe als Frauen im normalen Handel. Der Faire Handel könne ihr Selbstbewusstsein stärken, ihr Einkommen erhöhen und ihre Beteiligung an Familienentscheidungen. Er gebe ihnen auch ein Gefühl von größerer Freiheit und Sicherheit. Allerdings werde die traditionelle Arbeitsteilung vielerorts aufrecht erhalten. In einem untersuchten indischen Projekt sind die zwei festen bezahlten Stellen mit Männern besetzt, während die übrigen 68 Personen - ausnahmslos Frauen - nach Stückzahlen entlohnt werden.
Auf den Philippinen zeigte sich, dass Frauen überwiegend die Hand- und Routinearbeiten erledigen, Männer hingegen an Maschinen arbeiten.
Eine Studie von Loraine Ronchi aus dem Jahr 2002 über die Kaffeekooperative Coocafé Costa Rica ergab, dass die aktive Teilhabe von Frauen an Entscheidungsstrukturen marginal sei.
Anders in Ghana: Die Kakao-Kooperative Kuapa Kokoo hat sehr bewusst Frauenförderung in der Organisation umgesetzt, wenngleich auch hier von der Gutachterin Victoria Abankwa ein noch breiterer Ansatz gefordert wird, der die Männer bei der Umsetzung von Gender-Gerechtigkeit stärker einbezieht.
Der Faire Handel ist zwar dem Kriterium „Verbesserung der Situation von Frauen“ verpflichtet, die Umsetzung muss allerdings noch weiter konkretisiert werden - von den Importorganisationen ebenso wie von den Produzentengruppen.

Die Autorin ist freie Journalistin und lebt in Stuttgart. Ihren ausführlicheren Beitrag zu diesem Thema finden Sie in der Frauensolidarität 1/2005, Seite 26.

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen