Von der Bossa Nova zum Rock’n’Roll

Von Redaktion ·

Drei Wiederveröffentlichungen aus den frühen 1970ern dokumentieren eine außerhalb Brasiliens wenig beachtete Schaffensperiode von Erasmo Carlos.

Der 1941 geborene Komponist, Sänger, Gitarrist und Perkussionist Erasmo Carlos gilt als eine der herausragenden Persönlichkeiten der populären brasilianischen Musikgeschichte. Er spielte in seiner Jugend in etlichen Bands, hatte zusammen mit Roberto Carlos schon in den 1960ern einige Hits und war mit seiner Fernseh-Sendung Jovem Guarda einem jugendlichen Publikum wohlbekannt.

1964 putschte das Militär, das in unterschiedlich repressiver Form bis 1985 an der Macht blieb. 1968 wurde Erasmo Carlos wegen seines „verderblichen Einflusses auf die Jugend“ angeklagt und war in der Folge zwei Jahre lang mit Auftrittsverbot belegt. Daraufhin legte er es subtiler an, was allerdings der musikalischen Qualität zugute kam. Vom Bub­­­­­­­­b­­­­­­­­le­­­­­­­­gum-Popstar entwickelte er sich zu einem ernst zu nehmenden Musiker.

War davor die Bossa Nova der bestimmende Musikstil Brasiliens, hatte inzwischen der Tropicália oder Tropicalismo an Einfluss gewonnen. Das war allerdings nie ein bestimmter Stil, eher eine Lebenshaltung, die einerseits die traditionelle Musik Brasiliens hervorheben wollte, jedoch gleichzeitig die Tür für Einflüsse aus Europa und den USA offenhielt, um daraus eine neue Musik zu entwickeln.

Neue Ausdrucksformen. Das auf Wiederveröffentlichungen spezialisierte, in ­­­­­­­­­­­­­­­­Seattle beheimatete Label Light In The Attic (Vertrieb: Hoanzl) hat sich nun dreier Anfang der 1970er Jahre erschienenen Alben angenommen, die mehr oder weniger davon beeinflusst sind. Sie dokumentieren Erasmo Carlos’ Weg zu einer neuen Ausdrucksform, zu mehr Kreativität und Vielseitigkeit.

„Erasmo Carlos E Tremendoes“, vereint verschiedene Spielarten brasilianischer Popmusik. Neben Eigenkompositionen des Erfolgsgespanns Erasmo Carlos & Roberto Carlos wird „Saudosismo“ von Caetano Veloso, ein Antônio Adolfo-Song und das bis heute mehr als populäre „Aquarela Do Brasil“ von Ary Barroso interpretiert.

„Carlos, Erasmo …“ ist 1971 erschienen, Caetano Veloso, der hier ein Lied beisteuerte, und Gilberto Gil lebten im Exil. Drei Musiker der Band Os Mutantes wirkten mit. Ein psychedelisch angehauchtes Werk mit gefinkelten Arrangements und ein schon eher später, ziemlich rockiger Beitrag zur Tropicália-Bewegung.

Auch „Sonhos E Memórias 1941-1972“ ist ein wesentliches Werk des brasilianischen Pop. Es verbindet Rock, Soul und Jazz und ist funky und groovig.

Alle drei Alben gelten heute als Klassiker und werden das erste Mal außerhalb Brasiliens veröffentlicht. Klangtechnisch auf der Höhe der heutigen Möglichkeiten, mit ausführlichen Liner Notes und den Songtexten auf Portugiesisch und Englisch sind sie auf Vinyl und CD erhältlich.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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