Was ist Fracking?

Verschmutztes Brunnenwasser: Carol French, Grundbesitzerin aus Pennsylvania, macht Fracking dafür verantwortlich.

Hydraulic Fracturing („Hydraulisches Brechen“), kurz „Fracking“, ist ein Verfahren, das v.a. bei der Förderung von Öl oder Gas aus unkonventionellen Lagerstätten wie Tonsteinformationen eingesetzt wird (bei Kohleflözen nicht unbedingt nötig). Dabei wird Flüssigkeit unter hohem Druck in eine Bohrung gepumpt, um im Reservoirgestein Risse („Fracs“) zu erzeugen. Durch die so geschaffenen Fließwege kann das im Gestein gebundene Gas oder Öl leichter zur Bohrung fließen.

Fracking wurde früher nur bei vertikalen Bohrungen angewendet. Erst durch die Kombination von Fracking und Richtbohrtechnik (ermöglicht auch Horizontalbohrungen) wurde die Ausbeutung bestimmter unkonventioneller Lagerstätten wirtschaftlich.

Wie eine Bohrung „gefract“ wird

1 Mit einem riesigen Drehbohrer wird von einer Fracking-Plattform aus bis in eine Tiefe von 1,5 bis 3 km gebohrt (es wird allerdings diskutiert, Fracking auch in geringeren Tiefen zu erlauben). Beim Erreichen der gas- oder ölführenden Gesteinsschicht wird horizontal weitergebohrt – einen Kilometer weit oder weiter.

2 Die obersten Abschnitte der Bohrung werden mit Stahlrohren und Zement abgedichtet. Der horizontale Abschnitt der Bohrung verfügt über eine Stahlverrohrung, in der kleine Sprengladungen von einer Perforationskanone zur Explosion gebracht werden, um Löcher zu erzeugen.

3 Nun werden Millionen Liter des Frac-Fluid – einer Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien – unter hohem Druck in die Bohrung gepumpt, um Risse im Gestein zu erzeugen. Der Sand hält diese Risse offen.

4 Die Flüssigkeit wird mehrere Tage lang wieder herausgepumpt, damit das Gas oder Öl nach oben strömen kann. Zwischen 40% und 70% der Flüssigkeit verbleiben jedoch in der Bohrung. Jede Bohrung kann, sofern erforderlich, zehn Mal „gefract“ werden.

5 Bei der Förderung von Gas wird die Bohrung verschlossen, bis eine Pipeline vorhanden ist. Öl wird mit Tanklastwagen abtransportiert.

6 Nun wird von derselben Plattform aus mit dem Fracking der nächsten Bohrung begonnen, die in eine andere Richtung führt, und der Prozess wiederholt.

  • Unproduktive Bohrungen werden mit Zementstopfen verschlossen.
  • Die Entsorgung des zurückgepumpten Frac-Fluid ist ein großes Problem. Die „Best Practice“ besteht in seiner Wiederverwendung. Oft aber wird die Flüssigkeit in dafür nicht ausgerüstete lokale Kläranlagen geliefert oder sogar still und heimlich irgendwo weggeschüttet.
  • Das in den Bohrungen verbleibende Frac-Fluid ist mit Chemikalien verunreinigtes Süßwasser, das dem Wasserkreislauf entzogen wurde – Millionen Liter pro Bohrung.

Slickwater – woraus bestehen Frac-Fluide?

98,5% Wasser, 1% Sand, 0,5% Chemikalien

In den USA gelang es unabhängigen ExpertInnen, in Frac-Fluiden mehr als 600 Chemikalien nachzuweisen – die Unternehmen geben nicht bekannt, was sie verwenden. Darunter befinden sich bekannte toxische Substanzen inklusive Karzinogene und Neurotoxine.

Einige Chemikalien werden verwendet, um die Reibung zu verringern (daher der Name „Slickwater“); es werden aber auch Säuren, Rostschutz- und Entkalkungsmittel, Mikrobizide, Gelier- und Lösungsmittel eingesetzt.

Wenn für das Fracking einer Bohrung zehn Millionen Liter Wasser benötigt werden, ergibt das 50.000 Liter Chemikalien. Die Menge an Chemikalien für ein aus 1.000 Bohrplattformen bestehendes Fördergebiet ist gewaltig, selbst bei einer Wiederverwendung des Frac-Fluid. Daher verspricht die Industrie (außerhalb der USA) auch eine starke Verringerung des Chemieeinsatzes oder sogar ein Fracking ohne Chemikalien.

Von einer einzigen Fracking-Bohrplattform können bis zu 16 Bohrungen niedergebracht werden, die im Untergrund horizontal in verschiedene Richtungen abgelenkt sind.

Jeder Bohrstandort ist so groß wie ein Fußballfeld; hier wird die gesamte Vegetation beseitigt und der Boden versiegelt. Fracking-Gebiete sind mit solchen Bohrstandorten gespickt – 1.000 Bohrplattformen sind nichts Ungewöhnliches.

 

 

 

 

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