Wasser unter der Wüste

An den südlichen Ausläufern der Sahelzone, im Norden Kenias, wurden riesige unterirdische Wasserreserven entdeckt. Die Bedeutung des Funds ist weiterhin unklar. Dem entsprechend sind die Erwartungen gespannt.

Von Bettina Rühl

Nach der ersten Aufregung ist es wieder ruhig geworden. Kenianische und internationale Medien hatten im vergangenen September mit fast überschäumender Euphorie folgende Entdeckung bekannt gemacht: Im Nordwesten Kenias hätten Wissenschaftler einen riesigen unterirdischen Wasserspeicher entdeckt. Bei vorsichtiger Nutzung könne er den Bedarf des Landes in den nächsten siebzig Jahren decken. Es gehe um Billionen von Litern Wasser, insgesamt zehn Mal so viel wie Kenias bisher bekannte Reserven. Das wäre tatsächlich eine Sensation, denn  diese Vorkommen sollen in einer der trockensten Gegenden des ostafrikanischen Landes liegen, in der Turkana-Region, nahe der Grenzen zu Südsudan, Äthiopien und Uganda.

Die kenianische Regierung, die bei der Suche mit der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) sowie der französisch-amerikanischen Firma Radar Technologies International zusammen gearbeitet hatte, versprach weitere Studien und die Vorlage gesicherter Zahlen innerhalb der nächsten Monate. Dabei ist es bislang geblieben, jedenfalls bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe des Südwind-Magazins.

Nach Angaben des Ministeriums für Wasser und Bewässerung in Nairobi liegt ein Bericht mit den Ergebnissen weiterer Explorationsarbeiten vor. Er wurde aber bislang nicht veröffentlicht. Auch Fragen nach Details bleiben unbeantwortet. Aus anderen Quellen ist zu hören, dass die Funde vielleicht doch nicht so bedeutend wären wie ursprünglich gedacht. „Die ersten Daten sagten weder etwas über die genaue Menge aus, noch über die Qualität des Wassers“, berichtet James Yatich vom zuständigen Ministerium, der aber mit den weitergehenden Erkundungen nicht befasst ist. „Es soll sich zwar um Süßwasser handeln, aber wie ‚süß’ ist es wirklich?“ Hat es Trinkwasserqualität? Eignet es sich für die Bewässerung in der Landwirtschaft? „Können wir also wirklich alles damit machen, was wir damit machen wollen?“, fasst Yatich zusammen. Und wie groß sind die Reservoire, wie teuer wäre eine Förderung?

Im Norden Kenias: Ein Mädchen aus dem Turkana-Volk schöpft Wasser für die Ziegen aus einem beinahe ausgetrockneten Flussbett.

Erst wenn diese Details geklärt sind, lassen sich die Verteilungsfragen diskutieren: Wie kann die Regierung sicherstellen, dass von dem Wasser auch die ärmere Bevölkerung in der bislang recht lebensfeindlichen Region profitiert?

„So weit sind wir noch lange nicht“, sagt Yatich. Hintergrund für die Unklarheit ist die Tatsache, dass die Fachleute die vorläufigen Ergebnisse aus einer Kombination mehrerer Grundlagen ableiten. Sie legten geologische Karten mit Daten übereinander, die sie durch Satelliten und Radargeräte gewonnen hatten. Wie bei der Suche nach Erdöl kamen seismische Untersuchungen dazu. „Aber um Genaueres zu wissen, müssen wir noch Probebohrungen durchführen“, erklärt Yatich. Die ersten seien abgeschlossen, der Bericht liege vor – nur blieb das Ergebnis bislang wie gesagt unter Verschluss. Das mag nicht mehr als eine Verzögerung sein. Vielleicht ist es aber auch Ausdruck von Ratlosigkeit angesichts enttäuschender Befunde.

Bettina Rühl ist freiberufliche Journalistin für Printmedien und Radio. Sie lebt in Nairobi und bereist regelmäßig auch Westafrika.

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