Weibliche Blicke, Töne & Beats

Von Werner Leiss ·
Liraz © Ronen Fadida

Neue Musik aus Österreich, Israel, Iran und Benin – mit mächtig viel Frauenpower.

Julia Lacherstorfer hat es nicht eilig gehabt mit ihrem ersten Solowerk, das den Namen „Spinnerin“ trägt. An mehreren Projekten wie Aufstrich, Neuschnee, Ramsch & Rosen und natürlich ALMA war oder ist sie beteiligt.

Ihr sei bewusst geworden, dass die Lieder, die sie als Kind von ihrem Großvater gelernt hat, weitgehend eine männliche Geschichte erzählen. Sie kamen ihr immer weniger leicht von den Lippen. Zeit für den weiblichen Blick im volksmusikalischen Kontext: Mit viel Feingefühl und Herzblut wurde dieses Album erarbeitet und zusammengestellt.

Lacherstorfer widmet es den Lebens- und Leidensgeschichten von Frauen. Lebenserinnerungen von Bäuerinnen bekommen ebenso eine Stimme wie Oma Frieda und Mutter Elfriede.

Lacherstorfer singt und spielt außer der Geige auch noch Harmonium, Hackbrett & Trommeln. Mitmusikantinnen ergänzen Cello, Viola, Kontrabass, Trompete und Tuba. Zwar beeinflusst von verschiedenen europäischen Musiktraditionen, fußt die Musik letztlich doch fest auf oberösterreichischem Boden.

Echt Underground. Mit ihrem neuen Werk „Zan“ (Farsi für Frau) folgt die israelisch-persische Sängerin Liraz ihrer musikalischen Vorstellung eines zeitgemäßen Electropop, der auf Dance-Rhythmen und folkloristischen Klängen aus Persien basiert.

Das Besondere dabei ist die Entstehung dieser politischen Popmusik, arbeitete Liraz doch online mit Komponistinnen und Musikerinnen aus dem Iran zusammen, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben mussten. Insgesamt waren es also ungewöhnliche und schwierige Arbeitsbedingungen, Underground-Musik in mehrfacher Bedeutung.

Eine Perkussionistin aus Teheran ist eine dieser anonymen Musikerinnen. Das Stück, auf dem sie spielt, „Zan Bezan“ („Frauen singen“), ist eine Hommage an die iranischen Sängerinnen der 1970er Jahre wie Googoosh (Faegheh Atashin).

Rockende Mädels. Die Star Feminine Band aus dem Norden Benins ist eine ausschließlich weiblich besetzte Band mit jungen Mitgliedern, die sich den aktuellen Themen der Zeit annimmt. Die Musikerinnen spielen mit Gitarre, Schlagzeug und Keyboards, wurden in der ländlichen Kommune Tchaourou diese Instrumente doch als Zeichen von Moderne gesehen und bewundert.

Sieben Mädchen im Alter zwischen neun und fünfzehn Jahren wirbeln frech, unbeschwert und mit viel Energie Genres wie Garage-Rock, Pop und traditionelle Lieder ihrer Heimat durcheinander.

Vorbild und Einfluss ist Angélique Kidjo, die international bekannte Sängerin stammt ja ebenfalls aus Benin. Mit Selbstvertrauen und Charisma hat sich die Star Feminine Band zu Recht zum Stolz der Atakora-Region entwickelt.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur von Concerto, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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