Weiter nicht einfach

Südwind-Magazin 4/2011

Leitartikel:
Fehlt da nicht noch etwas?

Im Editorial des letzten Heftes sieht Irmgard Kirchner „die Suche nach dem guten Leben“ als das „Missing Link zwischen Theorie und Praxis, das jeden von uns zum politischen Handeln motivieren kann“. Es mache einen Ausgleich zwischen armen und reichen Ländern denkbar, die armen Länder sollten sich entscheiden, was sie mehr brauchen und die reichen Länder, was sie weglassen könnten. So einfach ist das? Gibt es da nicht gewaltige Interessengegensätze, gibt es da nicht die neoliberale Ausbeutung, gibt es da nicht die mächtigen weltweiten Konzerne? So sehr ich das Konzept des „guten Lebens“ als Idealvorstellung für uns alle begrüße, so falsch wäre es zu meinen, ein Konzept alleine könne die Welt verändern.

Chile:
Piñera besser als Bachelet?

Im lesenswerten Artikel über die Mapuche in Chile schreibt Antje Krüger, die linke Präsidentin Bachelet „ließ die Mapuche vor Militärgerichte stellen“, während der jetzige rechte Präsident Piñera einige Reformen der Militärgerichtsbarkeit durchführte. Es stimmt, dass Bachelet, nicht zuletzt wegen des Widerstandes der rechten Parteien, die Anwendung des Antiterroristengesetzes auf die Mapuche nicht verhindern konnte. Es stimmt, dass durch den langen Hungerstreik der 34 Mapuche im Vorjahr die Regierung Piñera zum Teil einlenkte, aber das Gesetz ist immer noch nicht aufgehoben und die Richter berufen sich auf ihre Unabhängigkeit. Der Teilerfolg war möglich, weil in Chile selbst Professoren, Priester, geistliche Schwestern und Dutzende andere Menschen ebenfalls in Hungerstreik traten und Abgeordnete des EU-Parlamentes auf den Plan traten. Aber jetzt, ein halbes Jahr nach dem Versprechen der Regierung, stehen vier Mapuche, die im Vorjahr den Hungerstreik der 82 Tage durchlitten, schon wieder seit einem Monat in Hungerstreik, weil die Vereinbarungen nicht eingehalten werden. Die Repression der Mapuche geht unvermindert weiter. CINTRAS, eine Organisation, die Opfer der Diktatur psychotherapeutisch betreut, schreibt im Jahresbericht über Piñeras Haltung zu den Menschenrechten: „Es ist noch kein Jahr vergangen, und schon wurde in vielen Bereichen für die Menschenrechtsarbeit der Finanzhahn zugedreht.“

Herbert Berger
Wien

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