Wer die Wahrheit spricht …, muss immer ein gesatteltes Pferd bereithalten

Von Redaktion ·

Tobias Kiwitt und Ulrich Klan (Hg.)

Ein Menschenrechte-Lesebuch. Nachwort: Günter Wallraff. Edition Roesner, Mödling 2010, 224 Seiten, EUR 22,90

Dieses Menschenrechte-Lesebuch entstand aus einem Wettbewerb von Amnesty International und der Armin T. Wegner-Gesellschaft. Von 500 Einsendungen wurden 26 ausgewählt. In seinem Vorwort skizziert T. Kiwitt die Bedeutung von Amnesty International. U. Klan bringt den fast vergessenen Schriftsteller, Pazifisten und Menschenrechtler Armin Theophil Wegner (1886-1978) neu ins Bewusstsein. Dieser wurde 1916 Augenzeuge der Vertreibung und Ermordung der Armenier, was er unter Lebensgefahr fotografisch und dokumentarisch festhielt. 1933 schrieb Wegner seinen legendären offenen Brief an Adolf Hitler, worin er gegen die Judenverfolgung protestierte. Er wurde verhaftet, gefoltert, in verschiedene Konzentrationslager gebracht und starb 1978 im Exil. 1968 wurde er in Yad Vashem in die Reihe der Gerechten unter den Völkern aufgenommen.

Die Beiträge beleuchten die Menschenrechte aus unterschiedlichen Blickwinkeln. MigrantInnen und Asylsuchende in Europa, z.B. die Erinnerung eines Flüchtlingskindes beim Zeichnen, das Tagebuch eines Mädchens vor der Abschiebung, ein geflohener PKK-Kämpfer, etc. Zwei Beiträge gehen in die Nazizeit zurück – der unbedankte Widerstand eines österreichischen Schriftstellers und die Geschichte einer Polin. Kinderrechte in Europa werden anhand von Bettel- und Straßenkindern thematisiert. Zwei Beiträge behandeln die Würde alter Menschen als Pflegefall oder beim Sterben. Erschütternd auch das Schicksal eines haitianischen Landarbeiters in der Dominikanischen Republik und die Ausbeutung albanischer Saisoniers in Griechenland, spannend das Gespräch eines gefangenen Nobelpreisträgers mit einem Putschgeneral. Die Zukunft einer Welt unter High-Tech-Kontrolle und die Folgen einer schrankenlosen Globalisierung runden das Bild ab. Das Nachwort schrieb Günter Wallraff, der als junger Journalist von Wegner ermutigt wurde.

Ein interessantes, berührendes Buch, das den menschenrechtlichen Diskurs fortführt und neu belebt und Menschenrechte nicht als trockenes Recht, sondern als menschliche Schicksale erscheinen lässt, Mut macht zum aufrechten Gang. Ein sehr lesenswertes Buch.

Richard Langthaler

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