Wer ist da wahnsinnig?

Eine knifflige Frage! Das Preisgeld wird in Rindfleisch abgegolten - unser Beitrag zur Lösung der Absatzkrise.

Von Werner Hörtner
Verwirrung herrscht, die Menschen sind völlig verunsichert: Was kann ich denn noch essen, ohne möglicherweise Wahnsinn oder Antibiotika oder irgendwelche Giftstoffe mitzuschlucken? Es ist sicher noch nicht alles entdeckt, der nächste Skandal kommt bestimmt. Vielleicht trifft es dann ein sonderbehandeltes Gemüse oder den in einer Chemiebrühe aufwachsenden Billigreis, denn dass immer nur die FleischesserInnen zum Handkuss kommen, das ist doch ungerecht. Und die nächste Absatzkrise kommt genau so sicher wie der Streit, wer den ganzen Schaden denn bezahlen soll.
Ja, die Absatzkrise: die nächste Verunsicherung. Früher hat man in Europa des öfteren Hunderte Tonnen Äpfel oder Tomaten zermalmt, um den Marktpreis zu halten, aber solche Meldungen sind schnell wieder vergessen. Doch nun die Rinder mit ihren großen unschuldigen Augen, die uns fragend und anklagend anblicken. Was werden sie sich denken von dieser Welt? Plötzlich, fast von einem Tag auf den anderen, sind sie unrentabel geworden, ein Fall für den Verbrennungsofen, auch wenn sie sich noch so gesund fühlen: Die Marktlogik verlangt ihre Entsorgung, der Kommissar der europäischen Agrarwirtschaft entwirft einen Schlachtplan. Doch was fangen wir mit dem vielen Fleisch an, mit vielen tausend Tonnen RindFLeisch? Da fallen uns wieder einmal die Armen dieser Welt ein, wie die sich freuen würden über so ein Geschenk! Schließlich könnten sie froh sein darüber, dass wir an sie denken und ihre Hungersnot lindern wollen. Aber das Problem mit den Kosten, die Verarbeitung, Konservierung, Lagerung, der Transport ... Wer soll denn das bezahlen? Die Entwicklungshilfe vielleicht? Aber die ist ja genauso arm, immer weniger Mittel, immer rachitischer.
Da wäre es vielleicht am billigsten, ein paar tausend Kinder aus dem Sudan auf einen Monat Tafelspitz zu uns einzuladen. Da könnten sie wieder zu Kräften kommen - doch darüber könnten sich wiederum viele Leute blau ärgern, und es gibt immer wieder Wahlen ... Und am Ende wollen sie hier bleiben, weil es ihnen so gut geschmeckt hat! Es ist wirklich ein Dilemma. Wo ist das Licht bitte?

Wieso kamen wir überhaupt in diese Situation? Ach ja, da war doch diese Geschichte mit dem Rinderwahnsinn, und mit einer tödlichen Krankheit, die diese kannibalischen Rinder, die ihre eigenen Artgenossen in Form von Kraftfutter verzehren, übertragen können. Natürlich gehören solche Gefahrenherde ausgerottet, und auch alle potentiellen Gefahrenträger, und so trifft es eben auch die gesunden Tiere, deren Fleisch fast niemand mehr essen will - siehe oben. Und da wir schon beim Kausalprinzip angelangt sind, können wir gleich fortfahren mit der Eliminierung der zivilisatorischen Todesbringer. Zum Beispiel: alle Autos einstampfen, was zahllosen Menschen Leben und Gesundheit retten würde; die Weinberge mit Gift besprühen, wie es uns beispielhaft die US-Amerikaner mit den Koka-PFLanzungen in Südamerika vorzeigen; und schließlich per Regierungserlass den Stress und das Verdrängen verbieten, um die Zahl der Herz- und Krebstoten zu reduzieren. Dann gäbe es wieder mehr InländerInnen, und wir wären nicht so auf die Einwanderer angewiesen.

Wir wünschen Ihnen trotzdem viel Lesevergnügen mit dem vorliegenden SÜDWIND-Magazin und mit dem Schwerpunkt dieser Ausgabe, der ganz zufällig dem Thema Gesundheit gewidmet ist - und der Frage, was uns denn eigentlich so krank macht.

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