Wie es um Abtreibung global steht

Von Christine Tragler · ·
© Martin Bernetti AFP picturedesk.com

Wo Frauen das Recht haben über ihre Körper zu bestimmen und wo es ihnen genommen wurde.

Was viele nicht für möglich gehalten hätten, ist jetzt eingetreten: In den USA wurde das landesweite Recht auf Abtreibung abgeschafft. Ende Juni haben die mehrheitlich konservativen Richter*innen des Supreme Courts ein Grundsatzurteil zu Schwangerschaftsabbrüchen aufgehoben. Der Oberste Gerichtshof hat demnach die Grundsatzentscheidung „Roe vs. Wade“ aus dem Jahr 1973 gekippt. In vielen US-Städten entstanden daraufhin Protestbewegungen für Frauenrechte und gegen die Gerichtsentscheidung.

Der Kampf für weibliche Selbstbestimmung und legale Schwangerschaftsabbrüche wird weltweit geführt. In vielen Teilen der Erde sind Abtreibungen bis heute illegal. Die strengsten Regeln gelten in Lateinamerika und Afrika.

Das Südwind-Magazin blickt immer wieder auf das Thema: Wie es um das Thema Abtreibung global bestellt ist und welche Auswirkungen unsichere Schwangerschaftsabbrüche auf Mädchen und Frauen haben, dazu haben wir in der Ausgabe 3-4/2020 recherchiert.

Gefährliche Verbote. Fest steht: Einschränkende Gesetze führen nicht zu weniger Abbrüchen. Rigide Abtreibungsvorschriften erhöhen aber das Gesundheitsrisiko. Unsichere Schwangerschaftsabbrüche sind noch immer eine der häufigsten Todesursachen von Frauen weltweit. Über die globale Situation berichten wir im Artikel „Ihr Bauch ist umkämpft“. Einen Überblick über die Gesetze anderswo gibt die Weltkarte vom New Yorker Center for Reproductive Rights.

Frage der Menschenrechte. „Wer reich ist, wird immer einen Weg zu einer Abtreibung finden“, sagt Marion Stevens im Interview gegenüber dem Südwind-Magazin. Sie ist Hebamme, Medizinanthropologin und Direktorin der Koalition für sexuelle und reproduktive Gerechtigkeit in Kapstadt, Südafrika.

Ähnlich sieht das Sibel Nmezi. Sie engagiert sich in Nigeria für Menschenrechte und versucht mit der von ihr gegründeten NGO Generation Initiative for Women and Youth Network (GIWYN) den Zugang zu reproduktiven Rechten für Frauen und Mädchen im Land zu verbessern.
Wieso in Nigeria niemand über Abtreibungen sprechen will und dennoch eine hohe Zahl in Folge von unsicheren Abbrüchen stirbt, berichtet sie hier.

Kontrolle der Gebärfähigkeit. Warum Abtreibung ein beliebtes Thema rechter Parteien ist und welche Rolle die unheilige Allianz mit der Kirche dabei spielt, kann in einem Interview mit der deutschen Autorin und Aktivistin Sarah Diehl nachgelesen werden. Dass Frauen die Kontrolle über ihre Gebärfähigkeit genommen wurde – über ihre Sexualität und ihren Körper –, bezeichnet sie als die „Ursuppe an Leid und Ungerechtigkeit in dieser Welt“. Es sei verrückt, Frauen zu verbieten, existenzielle Entscheidungen über ihre Körper und ihre Zukunft selbst zu treffen. Wer, wenn nicht die betroffenen Frauen, wüssten über ihre Kapazitäten Bescheid und könnten die Konsequenzen einer Mutterschaft einschätzen, fragt sie.

Die Utopie der Aktivistin Diehl: „Dass Gebärfähigkeit nicht mehr mit Ängsten, Kontrolle und Zwang verbunden ist, sondern mit Schönheit und Stärke. Und: Die Bedürfnisse von schwangeren Frauen sollten im Vordergrund stehen, egal was sie wollen – ob Geburt oder Abtreibung.“


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