Wo stehen die Bankräuber?

Von Redaktion ·

Der Dürfer – Erich Hackls Monats-Kolumne

Zeitung „El País“ stand kürzlich zu lesen, dass die Krise am La Plata die großen spanischen Investoren bereits acht Milliarden Euro gekostet habe. Der Reingewinn der beiden Banken BSCH und BBVA sei allerdings weiter gestiegen. „Nur um zehn Prozent“, jammerte der Direktor der Banco Santander Central Hispano, Emilio Botín: nur um 229 Millionen! Sein Name ist Programm: botín heißt auf deutsch Beute, und da kommt einem unweigerlich Bert Brechts „Dreigroschenoper“ in den Sinn. Darin wird der Überfall auf eine Bank gering veranschlagt, im Vergleich zu deren Gründung. Das waren freilich andere Zeiten. Die Tatsache, dass ein Geldinstitut mitten im Zusammenbruch der argentinischen Wirtschaft seinen Profit erhöht, beweist, dass schon der ganz normale Geschäftsbetrieb schlimmer ist als der größte Coup.

Ich glaube nicht, dass spanische Banken gefrässiger sind als andere. Ärgerlich ist, dass alle gegen unsere Interessen arbeiten, und dass wir uns ihrer im Alltag nicht entziehen können: den Lohnsack gibt es seit langem nicht mehr, unsere Identität wird weder durch Zeugen noch durch Reisepass oder Versicherungsnummer beglaubigt, sondern durch das eigene Bankkonto. In Österreich gibt es auch keine Alternative Bank, die den Geldfluss in faire Drittweltprojekte lenkt. Aber davon will ich gar nicht erst träumen; ich wäre schon zufrieden, ohne die Gewissheit auszukommen, meine Bank unfreiwillig zu füttern. Seit der Währungsumstellung hat sie mir von jeder Überweisung aus EU-Staaten 13 Euro abgezogen: zehn ohne Angabe von Gründen, drei für etwas, das „Target“ heißt, ein Begriff, den wir von den Raketenangriffen der US-Luftwaffe kennen. Vor drei Wochen hätte ich aus Deutschland 43 Euro erhalten sollen, 30 Prozent davon fielen in das schwarze Loch der PSK.
Nehmen wir an, ich erhalte über die Kreissparkasse Freilassing 13 Euro – dann hätte ich einen Eingang von exakt null Euro. Davon wäre dann noch die Kontoführungsgebühr abzuziehen.
Angesichts solcher Verhältnisse hat Brecht entschieden verharmlost: Die Bankräuber stehen hinter dem Schalter.

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