Zu neuen Ufern

In der Millenniums-Erklärung hat die UNO nicht nur konkrete und messbare Zielvorgaben zur menschlichen und sozialen Entwicklung aufgestellt, die auch überprüft werden. Sie hat überdies einen neuen entwicklungspolitischen Diskurs angeregt.

Von Werner Hörtner

Wenn man die Hoffnung auf eine nachhaltige Zukunft für unseren Planeten, auf die Möglichkeit einer „anderen Welt“ nicht von vornherein und aus Prinzip ablehnt, so können Mann und Frau in der Gegenwart einige Elemente finden, die zu neuer Hoffnung Anlass geben. Der Anbruch des neuen Jahrtausends vor fünf Jahren hat bei der Generalversammlung der UNO im September 2000 zur Verabschiedung der so genannten Millenniums-Erklärung geführt, die dann wiederum die Formulierung der Millenniums-Entwicklungsziele zur Folge hatte. Von diesen Millennium Development Goals, kurz MDGs, handelt die vorliegende Sonderausgabe des Südwind-Magazins.
Es ist jedoch immer gut, Optimismus mit kritischem Blick zu paaren. Schließlich sind die meisten Initiativen zur „Entwicklung“ der so genannten Dritten Welt im letzten halben Jahrhundert mehr oder weniger versandet, gesteckte Ziele wurden weitgehend verfehlt. Dennoch - und obwohl im September 2000 auch die korruptesten und kriegerischsten Staats- und Regierungschefs der Welt diese Erklärung unterzeichnet haben - erscheinen uns diese MDGs als ein möglicher Ausweg aus der Sackgasse, in der sich die entwicklungspolitischen Bemühungen seit längerer Zeit befinden und die durch die Vorherrschaft der neoliberalen Wirtschaftsideologie noch zementiert wurde.

„El camino se hace al andar“, heißt ein altes spanisches Sprichwort, „der Weg wird durch das Gehen gemacht“, was man auch interpretierenkann als „das Aufbrechen, das Gehen ist das Wichtige und erfüllt das Ziel mit Sinn≤“. Das erscheint uns auch als der vielleicht wichtigste Aspekt dieser Entwicklungsziele: Das intensive Engagement der Vereinten Nationen, die die Durchsetzung der globalen Menschenrechte und eines Lebens in Frieden und Sicherheit zu ihrer zentralen Aufgabe erklärt haben, führte auf weltweiter Ebene zu einer neuen entwicklungspolitischen Grundsatzdiskussion. UN-Generalsekretär Kofi Annan hat dieser Aufgabe in seinem Ende März publizierten Bericht „in larger freedom“ unmissverständlich oberste Priorität eingeräumt: Ziel der menschlichen Entwicklung müsse sozialer Fortschritt und besserer Lebensstandard „in größerer Freiheit“ und für alle Menschen sein.

Globale Armutsbekämpfung und menschliche Entwicklung werden auch auf dem nächsten G-8-Gipfel in Großbritannien im August eine zentrale Rolle spielen, und selbst beim vergangenen Weltwirtschaftsforum im idyllischen Schweizer Gebirgsort Davos entdeckten Konzernbosse und Regierungschefs, denen alles andere als „Good Governance“ nachgesagt werden kann, ihre Liebe zu diesem Thema. Hier ist der kritische Blick natürlich besonders wichtig. Und dennoch: es bewegt sich was. Das zeigt sich auch in der Diskussion in der EU, wo Entwicklungs-Kommissar Louis Michel die Mitgliedsländer auf einen verbindlichen Stufenplan zu einer Erhöhung der Entwicklungshilfeleistungen auf die ominöse 0,7-Prozent-Marke verpflichten will. Hier hat Österreich besonderen Handlungsbedarf.
Wir wünschen Ihnen anregende Lektüre. Begleiten Sie uns in unserem kritischen Optimismus.

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