Zurück in die Zukunft

Die Zeiten sind unsicher, es holpert und kracht weltpolitisch halbwegs. „Ideal für alle, die in der Sicherheitsbranche arbeiten“, sagt Willi und lächelt wissend. Er ist Mitorganisator der großen Münchhausener Zukunftsmesse. Die ausstellenden Firmen rennen ihm die Türe ein und auch der Reporter des Wahnsinns war für Sie vor Ort.

Da die Erwartungen an die Zukunft sehr unterschiedlich sind, ist die Münchhausener Zukunftsmesse in drei Bereiche gegliedert. Für alle Nerds (wie geht eigentlich die weibliche Form von Nerd?) und Techniker (sorry, aber es waren in dieser Halle nur Männer) bietet die Halle A ein echtes Eldorado. Gezeigt werden aktuelle Entwicklungen der Technologie-Szene. Man hat den Eindruck, durch ein riesiges Computerspiel zu wandern, wird hin und wieder von Wesen angesprochen, die sich als Sklaven anbieten. Diese Mischwesen haben die Sexualität endgültig überwunden, arbeiten statt der Menschen und lächeln trotzdem ununterbrochen. Irgendwie unheimlich.

Halle B ist die romantische Abteilung und heißt „Löwe und Schaf im Liebesrausch“. Es gibt jede Menge Platz für Co-Working-Spaces, Co-Gardening-Gruppen, Gemeinschaftsküchen und Miteinander-Spielplätze. Der Grundtenor: Wir gestalten die Zukunft gemeinsam und lassen uns nicht von den Großkonzernen vorschreiben, wo es lang geht. Für Willi sind das alles Naivlinge. „Wenn das System wirklich zusammenbricht, dann sitzen diese Phantasten in ihren Gemeinschaftsgärten und schauen zu, wie sich halbwegs clever organisierte Banden die Kürbisse abholen. Die Träumerinnen (es waren mehrheitlich Frauen) helfen ihnen dann wahrscheinlich noch beim Einladen ins gepanzerte Fahrzeug“, sagt Willi lachend. Es wird deutlich: Wenn das Geld nichts mehr wert ist, dann sind Kartoffeln oder Erbsen als Währung eher unwahrscheinlich.

Wir betreten also die Halle C, die Sicherheitshalle. Hier tummeln sich Waffenfreaks (schon wieder keine Frauen dabei) und anonyme VerschwörungstheoretikerInnen (endlich ein großes I). Sie betrachten Atombunker, testen Sicherheitszäune und autarke Kühlsysteme, mit denen man eineinhalb Jahre ohne Lebensmittelgeschäft auskommt. Man gibt sich Tipps zum Thema selbstreinigende Trinkwassersysteme und informiert sich über Jagd-Geräte, um dann – nach der großen Katastrophe – Tiere erlegen zu können. Nur wer sich jetzt schon eindeckt, mit Lebensmitteln und Patronen, wird dann eine Chance haben. „Big Business“, sagt Willi lachend. Für ihn hat die Zukunft jetzt schon begonnen.

Georg Bauernfeind ist Kabarettist und Publizist in Wien.
Programm und Termine auf www.georg-bauernfeind.at

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