Bewegung und Wandel

Von Werner Leiss · · 2022/Mar-Apr
Dowdelin © R.ENGRAND / CC BY-NC-ND 2.0

Italienische Arbeiter- und Partisan*innenlieder in neuen Bearbeitungen und erfrischender Afrofuturismus von der Gruppe Dowdelin.

Die Uraufführung der bedeutendsten Bühnenshow des italienischen Folk-Revivals fand am 21. Juni 1964 beim „Festival dei Due Mondi“ mit damaligen Größen wie Caterina Bueno oder Giovanna Marini in Spoleto statt. 2014 wurde sie von Elena Ledda, Lucilla Galeazzi, Riccardo Tesi und Alessio Lega neu aufgeführt. Nun lassen die Musiker*innen mit neuen Einflüssen aus dem Süden Italiens wieder von sich hören. Sie kosten auf dem Album „A Sud di Bella Ciao“ die Sprachen und Dialekte ihrer Heimat aus und erkunden die verschiedenen Landschaften und Melodien mit allen Widersprüchen: von der lyrischen Poesie der Liebeslieder bis zur Tarantella und natürlich mit alten Arbeiter- und Partisan*innenliedern. Diese haben sich nicht nur ihre Ausdrucksstärke bewahrt, sondern auch ihre Botschaften.

Eine überzeugende Lektion in Demokratie, die direkt aus dem Volk kommt, von wichtigen Stimmen des sozialen und politischen Liedes der vergangenen 30 Jahre. Neben dem Gesang wird mit Knopfakkordeon, Tamburin, Perkussion, Gitarre und Saxophon instrumentiert.

Urbane Energie. Nach vielerlei Seiten hin musikalisch offen präsentiert sich die Formation Dowdelin. Die Wurzeln der Mitglieder liegen in Guadeloupe, Martinique und Armenien. In ihrer Musik treffen kreolische Texte, karibische Rhythmen, urbane Energie und Elektronik aufeinander.

Mit ihrem zweiten Album „Lanmou Lanmou“ möchte die Band mit ihren interkontinentalen Kreationen Hörer*innen überzeugen – inklusive verschiedener Musikstile wie Reggae, Zouk, Beguine oder Jazz. Dowdelin überwindet Genre- und Ländergrenzen und schafft einen Sound, der sich im kreolischen Afrofuturismus verorten lässt.

Vor einigen Jahren traf Produzent, Komponist und Multi-Instrumentalist David Kiledjian alias Dawatile Sängerin Olivya Victorin aus Lyon. Anfangs wurde, der internationalen Verständlichkeit wegen, auf Englisch gesungen. Das passte jedoch nicht wirklich zu den sonstigen musikalischen Ambitionen der Band. Victorin, mit verwandtschaftlichen Verbindungen zu Martinique, löste schließlich das Problem mit ihrem kreolisch gehaltenen Gesang. Schließlich stieß der Perkussionist, Saxophonist und Sänger Raphaël Philibert dazu, der an der Weiterentwicklung des sogenannten Gwoka beteiligt ist. Gwoka ist die auf Perkussion basierende traditionelle Musik aus Guadeloupe.

Die Kreolisierung des Dowdelin-Klangs findet sich in jedem Stück des neuen Albums: Hip-Hop trifft auf Beguine, zeitgenössischer Jazz auf Reggae.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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