Fracking global …

Von Redaktion ·

Kanada

Kanada sprang ziemlich rasch auf den Zug mit der neuen Fracking-Technik aus dem südlichen Nachbarland auf. Seit 2005 werden in British Columbia (BC) und Alberta Schiefergas und Tight Gas gefördert. Allein in BC wurden mehr als 7.000 Bohrungen durchgeführt. Dank der schändlichen „Bill C-38“ ist das Geschäft für die „Fracker“ mittlerweile noch einfacher geworden: Mit diesem 2012 verabschiedeten Gesetz wurden große Teile des kanadischen Umweltrechts einfach abgeschafft bzw. verwässert. Wie bei der Förderung von Ölsanden sind auch hier in erster Linie indigene Völker oder „First Nations“ betroffen, wie sie in Kanada bezeichnet werden – und sie bilden auch die Speerspitze des Widerstands (siehe auch SWM 3/2013). AktivistInnen der Mi’kmaq und Maliseet waren die ersten, die im Rahmen der Bewegung „Idle No More“ in der Atlantik-Provinz New Brunswick gegen Fracking demonstrierten und Blockaden organisierten. Nach vehementem Widerstand der Tahltan First Nation und anderer UmweltaktivistInnen wurde Fracking in Sacred Headwaters, einem Gebiet in BC, verboten, während in Quebec ein Moratorium für Fracking beschlossen wurde.

China

China verfügt über einige der größten Schiefergasvorkommen der Welt, und laut dem letzten Fünfjahresplan sollten bis 2015 etwa 6,5 Mrd. m³ gefördert werden. Dieses Ziel dürfte jedoch frühestens 2020 erreicht werden, denn die beiden einzigen chinesischen Unternehmen mit Fracking-Erfahrung – Petrochina und Sinopec – haben bekanntgegeben, dass sie in den nächsten beiden Jahren zusammen mit nicht mehr als 1,6 Mrd. m³ rechnen. Ihre Schwierigkeiten stehen vor allem mit der Wasserversorgung, der Tiefe und Komplexität der Tonsteinformationen und Problemen mit den Wegerechten in Zusammenhang. Shell wurde als Know-how-Partner gewonnen, doch bestehen angeblich Spannungen zwischen dem Multi und den nationalen Unternehmen. In China gibt es kaum Berichterstattung zum Thema Fracking, aber mit der zunehmenden Bekanntheit der Technik darf man auf die Reaktionen der aufkeimenden Umweltbewegung des Landes gespannt sein.

Polen

Die Fracking-Industrie kam 2009 mit dem vollmundigen Versprechen nach Polen, das Land für die nächsten 300 Jahre mit Schiefergas zu versorgen. Konfrontiert mit geologischen Problemen und vehementen lokalen Protesten schraubte sie diese Zahl zuerst auf 100 Jahre, dann auf 60 und nun auf 30 Jahre herunter. Zwar wurden mindestens 50 Testbohrungen angelegt, doch dürften nur ein bis zwei davon tatsächlich produzieren; kein einziger Kubikmeter Gas wurde verkauft, und die meisten großen Unternehmen haben sich mittlerweile aus dem Land zurückgezogen. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich nun auf den letzten bedeutenden Akteur, Chevron, und den andauernden Konflikt des Konzerns mit lokalen LandwirtInnen, die sich gegen Testbohrungen im Dorf Zurawlow in Südostpolen zur Wehr setzen. Seit dem 3. Juni 2013 sind die Fronten festgefahren, und bislang konnten keinerlei Ausrüstungen an den Standort gebracht werden. Mittlerweile wurden rechtliche Schritte gegen die LandwirtInnen eingeleitet, und der Konflikt dürfte nun auch vor Gericht ausgefochten werden.

Bulgarien

2011 fanden UmweltaktivistInnen heraus, dass die Regierung still und heimlich dabei war, für ganze Regionen des Landes Fracking-Konzessionen zu vergeben, darunter auch für einen Teil der nordöstlichen Landwirtschaftsregion Dobrudscha, bekannt als „Kornkammer Bulgariens“. Kleine Gruppen von Protestierenden organisierten unangemeldete Demonstrationen, etwa Verkehrsblockaden durch ständiges Überqueren der Straße vor dem Energieministerium, und tauchten mit Transparenten bei Veranstaltungen auf, an denen der Ministerpräsident teilnahm. Im Jänner 2012 hatte die Anti-Fracking-Bewegung bereits 51.000 Unterschriften für eine Petition gesammelt, verfügte über 60.000 Facebook-Freunde und organisierte jeden Monat eine große Demonstration. Am 14. Jänner 2012 gingen tausende Menschen in 15 bulgarischen Städten auf die Straße, und in London, Paris und Kopenhagen gab es Solidaritätskundgebungen. Vier Tage danach beschloss das bulgarische Parlament mit einer Mehrheit von 166 zu 6 ein Verbot des Fracking.

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