Initiativen des Wandels:
Wissen, was auf den Tisch kommt

Von Richard Solder ·

Ernährungssouveränität: Abseits der Supermärkte einkaufen. FoodCoops und Community Supported Agriculture zeigen, wie es geht.

Das verdirbt einem den Appetit: In den vergangenen Monaten machte ein Lebensmittel-Skandal nach dem anderen Schlagzeilen. Aber es geht auch anders: Initiativen zeigen, dass eine nachhaltige Ernährungskultur möglich ist. Zentraler Punkt dabei: Ernährungssouveränität. Das Konzept fordert eine Demokratisierung der Lebensmittel- und Agrarpolitik, um ausreichend gute Nahrungsmittel für alle zu ermöglichen. Bäuerliche und ökologische Landwirtschaft sowie lokaler und regionaler Handel mit Lebensmitteln stehen dabei im Fokus.

Wie bei den so genannten FoodCoops: Bei diesen Gruppen schließen sich Personen und Haushalte zusammen, um selbstorganisiert biologische Produkte einzukaufen – direkt vom Bauernhof, von der Gärtnerei oder von der Imkerei. Als Mitglied einer FoodCoop zahlt man monatlich einen gewissen Beitrag (meist zwischen fünf und zehn Euro). Manche FoodCoops findet man über das Internet, die meisten starten und wachsen über Mundpropaganda.  

Die FoodCoop Marktplatz STAW im niederösterreichischen St. Andrä-Wördern besteht schon seit 2005, wobei sich aus einer losen Gruppe ein Verein entwickelt hat. 40 Haushalte sind hier aktiv. Einmal in der Woche, am Markttag, kommen die Leute zusammen, um ihre Bestellungen abzuholen, die auf einem Bauernhof zusammengetragen werden. Daneben ist jedes Mitglied in einer Arbeitsgruppe aktiv und übernimmt Dienste im Lager, putzt, schaut nach dem Webshop oder den Finanzen. Aber wie jede FoodCoop hat Marktplatz STAW auch viel soziales Leben. Am Markttag und in den Arbeitsgruppen wird viel gelacht und geplaudert.

Generell stehen FoodCoops allen offen. Die meisten wollen aber überschaubar bleiben: „Wir werben nicht aktiv, unsere FoodCoop soll gar nicht zu groß werden, da sonst die Abwicklung zu kompliziert wird“, erklärt Barbara Oberndorfer vom Marktplatz STAW.  Bei FoodCoops werden alle Entscheidungen gemeinsam getroffen: „Für uns ist es etwa wichtiger, dass wir von einem regionalen Bauern kaufen, bei dem wir wissen, woran wir sind, als dass er bio-zertifiziert ist“, so Oberndorfer.

Verwandt ist das FoodCoop-Konzept mit der Solidarischen Landwirtschaft, oft auch Community Supported Agriculture (CSA) genannt. Bei einer CSA werden KonsumentInnen von einem landwirtschaftlichen Betrieb versorgt. Die AbnehmerInnen finanzieren für einen bestimmten Zeitraum die Kosten des Anbaues und zahlen vorab, damit die Bäuerinnen und Bauern mit dem Geld wirtschaften können. Eine klassische Win-Win-Situation.

Weitere Infos:
www.foodcoops.at
www.ochsenherz.at (Beispiel für Community Supported Agriculture)

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