Das Ziel im Blick

Von Brigitte Pilz · · 2012/05

Die Welt des fairen Handels ist bunt geworden: Vielfalt der Produkte, Herkunft aus Kooperativen und Plantagen, aus Afrika, Asien und Lateinamerika, diverse Verkaufsstrategien, Weltläden und Supermärkte. Und auch: Labels unterschiedlicher Güte. Letzteres verwirrt KonsumentInnen. Was ist fair? Wem oder was können wir vertrauen? Wo geht es wirklich um die Vorteile für die ProduzentInnen, wo nur um den (Image)gewinn für global agierende Firmen des „normalen Handels“?

Dieses Thema des Südwind-Magazins kann nicht alle Fragen zum fairen Handel beantworten. Es greift aktuelle Diskussionen auf, wie etwa jene nach der Zertifizierung von Produkten und nach der Verlässlichkeit von Labels.

Auch das solideste Siegel muss sich weiterentwickeln. Produktionsbedingungen verändern sich. Es ist sicher richtig, im Kaffeegeschäft auf Kooperativen als Zusammenschlüsse kleiner Produzenten zu setzen. Sie haben gegenüber großen Farmen ohnehin einen schweren Stand. Andere Produkte wie Bananen, Tee oder Blumen werden vornehmlich auf Plantagen angebaut. Hier liegt der Blickpunkt des fairen Handels auf den ArbeiterInnen, ihrer Entlohnung, ihren Arbeits- und Lebensbedingungen. Ist der oft äußerst niedrige Mindestlohn genug oder muss nicht Schritt für Schritt ein Lohn angestrebt werden, der ein menschenwürdiges Dasein garantiert? Und wie sieht die Mitbestimmung der ArbeiterInnen aus, wie die soziale Absicherung von ErntehelferInnen? Sie müssen mit ihren Familien auch im restlichen Jahr über die Runden kommen.

Ein anderes Beispiel ist die Kinderarbeit in der Kakaoproduktion Westafrikas. Es genügt nicht, Kinderarbeit zu verbieten und Produzenten aus diesem Grund aus dem fairen Handel auszuschließen. Dauerhafte Lösungen kann es nur geben, wenn die Erwachsenen für die ganze Familie genug verdienen.

Manchmal werden unnötige Fronten aufgebaut: Hier zertifizierte Produkte und deren Verkauf auch in den in vielen Belangen kritisierbaren Supermärkten. Dort politische Kampagnen und Lobbying für eine gerechtere Weltwirtschaft. Das müssen keine Widersprüche sein, weil die Handlungsfelder sich gegenseitig nicht behindern und weil – wie wir wissen – viele Wege nach Rom führen.

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