Die Frauenkarawane. Winds of Sand, Women of Rock.

Von Redaktion ·

Film

DVD, 93 Min, € 14,90

Sie verschwinden hinter der Düne. Wie jedes Jahr brechen sie auf, die Frauen der Toubou, eines Nomadenvolks im Südosten der Sahara. Wochenlang sind sie unterwegs, um 1.500 Kilometer weiter, im Norden Nigers, Datteln zu ernten. Die Männer lassen sie dafür zurück. Durch die Einkünfte aus der Dattel-Ernte kann ein NomadInnenhaushalt ein Jahr lang leben, ohne Tiere verkaufen zu müssen. Wassermangel, die Herausforderung, sich in der Wüste zu orientieren, Sandstürme, ewige Märsche in der Hitze – dieses Abenteuer gehört den Frauen.

Der Film von Nathalie Borgers begleitet allen voran zwei von ihnen, Amina und Mariama, auf der Karawane – und ein Stück weit in ihrem Leben. Borgers, die dem österreichischen Publikum vor allem wegen ihrer viel beachteten Doku über die „Kronen Zeitung“ („Tag für Tag ein Boulevardstück“) aus dem Jahr 2002 ein Begriff ist, ermöglicht den Seherinnen und Sehern  einen wertvollen, seltenen Blick in ihr Dasein zwischen Tradition und Moderne. Unter dem Sternenhimmel der Sahara tauschen Amina und Mariama sich nach den langen Tagen aus, lernen einander kennen. Durch die Frauenkarawane können sie einer anderen Frau erzählen, was sie vom Leben erwarten, über ihre Hoffnungen und Ängste sprechen. Und sie hinterfragen das harte, traditionsbewusste NomadInnendasein in der Sahara. 

Borgers malt die Geschichte der Frauenkarawane als atemberaubende Szenerie. Und sie passt sich dem Rhythmus der gemächlich, aber robust voranschreitenden Kamele an: In der Sahara machen sie einen Schritt nach dem anderen. Eile ist hier fehl am Platz. Selten ist das Publikum so nah am Leben eines Nomadenvolkes dran wie hier bei Borgers. Fast hat man das Gefühl, ein paar Kilometer mit den Frauen mitzugehen, mit ihnen die Zelte auf- und abzubauen oder kiloweise Gepäck auf störrische Kamele zu packen. Das Abenteuer um Amina und Mariama bringt die eine oder andere Wendung mit sich. Und eines sei verraten: Nicht alle machen sich wieder auf den Rückweg. Dieses Mal ist die Karawane für manche ein ganz besonderer Aufbruch.

„Die Frauenkarawane“, eine österreichisch-belgisch-französische Koproduktion, ist sehr zu empfehlen!
Richard Solder

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