Dietmar Gnedt: Splitter im Auge

Von WeH ·

edition innsalz, Aspach 2004, 157 Seiten, EUR 17,60

Eine spannende Kriminalgeschichte hat der Autor hier aufgebaut, wobei ihm die österreichische Realität eine große Hilfe war: Ein Schwarzafrikaner kommt illegal in die Alpenrepublik, wird hier auf Grund dubioser Informationen aus Nigeria als gefährlicher Mörder eingestuft, festgenommen. Es folgen Schubhaft, Flucht aus dem Gefängnis, Untertauchen. Nun gerät er erst recht in die Mühlen der Justiz – mehr aber noch in die Fänge von Michael Kronawetter, dem „Starjournalisten eines kleinformatigen Boulevardblattes“. In der Überzeugung, es handle sich bei dem Flüchtling um jenen Drogenhändler, der seine Tochter in die Heroinabhängigkeit geführt hat, schwört er Rache und verfolgt den Nigerianer auf seinen Spuren durch ganz Österreich. Wobei es zu völlig überraschenden Entwicklungen kommt – was die Person des Flüchtlings betrifft, aber auch den Journalisten selbst.
Auf seiner Flucht ist Samba Gana, der vermeintliche Mörder aus Nigeria, mit so ziemlich allen Vorurteilen, die ein Schwarzafrikaner in Österreich erfahren kann, konfrontiert. Aber er erfährt auch Menschlichkeit, und noch mehr: Liebe. Die Liebe, die das Gegenüber mit anderen Augen sehen lässt. „Wir sehen Schönheit nicht nur mit den Augen“, wie es Samba formuliert.
Die Handlung des Romans, die Autor Dietmar Gnedt vor unseren Augen ausbreitet, ist getragen von einer tiefen Menschlichkeit. Die sich nicht nur auf die „sympathischen“ Personen erstreckt, sondern auch auf die, die mit dem Antritt einer neuen Regierung – es wird deutlich auf den Wechsel zu schwarz/blau in Österreich angespielt – endlich das erwünschte Klima empfinden, um gegen „Asylbetrüger“ und „Sozialschmarotzer“ usw. härter vorzugehen. Durch Rückblicke in ihre Biografien wird ihr Verhalten verständlich gemacht.

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