gegendert

Von Redaktion · · 2011/03

Georg Bauernfeind ist unser Reporter des Wahnsinns

Der Kampf der Geschlechter – ein uraltes Thema. Als daher anlässlich des internationalen Frauentages die Studie präsentiert wurde „Wie gegendert ist Österreich?“, dachte ich mir: Echt spannend. Aber außer mir und den AutorInnen war niemand bei der Pressekonferenz anwesend.

Die Autorin, Veronika Feminal und der Autor Werner Machoid arbeiteten in ihrer Studie verschiedene Rollentypen heraus: Bei den Männern beginnt die Typologie beim GGN-Typ (gegendert gar nicht). Diese Spezies Mann kann schon deshalb keinen Beitrag zur Hausarbeit leisten, weil auf den Putzmitteln steht „Weichheit und Pflege auf pflanzlicher Basis.“ So viel Anima hält man(n) einfach nicht aus. Bei dieser Spezies (eigentlich er) müsste „Für Rohheit und Härte mit tierischem Eiweiß“ auf den Reinigungsflaschen stehen. Mindestens. Der GL-Typ (gegendert light) ist da schon etwas fortgeschrittener. Diese Spezies Mann lässt nicht automatisch alles fallen, was sie (eigentlich er) in Händen hält, wenn sie (eigentlich er) eine Küche betritt. Sie/er kann sich vorstellen, ein Buch von Paulo Coelho zu lesen und bei einem Männerseminar mitzumachen. Das ist für den GH-Typ (gegendert heavy) selbstverständlich. Er macht bei Männerseminaren mit, auch wenn sie von einer Frau geleitet werden, und sagt: „Das Stillen in Aufsichtsratssitzungen ist für mich ganz normal.“


Auf Seite der Frauen wurde ebenfalls ein GGN-Typ (gegendert gar nicht) ausgemacht. Dieser Typ (eigentlich sie) bringt dem Göttergatten die vergessenen Manschettenknöpfe ins Büro nach und flüstert ihm auch gerne die Namen der eigenen Kinder bei den Geburtstagsfesten ins Ohr. Das würde der GL-Typ (gegendert light) nicht tun. Aber dieser Typ (eigentlich sie) hätte kein Problem dabei, wenn bei einer Podiumsdiskussion „Frauen in der NPO-Welt“ nur Männer am Podium sitzen und argumentiert das so: „Hauptsache, die Männer beschäftigen sich mit dem Thema, das macht ja auch was mit denen … in kleinen Schritten denken.“ Eine Sichtweise, die für den GGH-Typ (gegendert heavy) völlig inakzeptabel ist. Wobei diesem Typ (eigentlich ihr) wichtig ist „dass da nicht irgendwelche Frauen auf dem Podium sitzen, die dann so ‚weibchenmäßig‘ rüberkommen“.

„Wie geht es weiter?“ fragte ich. Die beiden AutorInnen sagten mir, dass sie derzeit ein Event auf die Beine stellen möchten. Sie suchen dafür Vertreterinnen und Vertreter von jedem Typ und jeder Spezies, um ein Rollen-Verständnis-Los-Lass-Ritual durchzuführen. Ob ich interessiert bin? Ich stammelte etwas verlegen und versprach dann aber, darüber zu berichten, über das „Friedensfest der Geschlechter.“

Georg Bauernfeind ist Kabarettist und Publizist in Wien.
www.georg-bauernfeind.at

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