Von den Anden in die Alpen

Von Text: Irmgard Kirchner, Fotos: Josef Polleross ·

Seit Anfang Februar legen österreichische Hausfrauen und Hausmänner ganz selbstverständlich Bananen aus Fairem Handel in ihren Einkaufskorb. Dem geht eine lange Geschichte voraus.

Vor 500 Jahren. Die Banane kommt mit Sklavenschiffen aus Westafrika in die Neue Welt.
Heute ist die Banane das beliebteste Frischobst der Erde. Pro Jahr werden weltweit ca. 67 Millionen Tonnen produziert. Mit einem Verbrauch von 10,8 Kilogramm pro Jahr sind die ÖsterreicherInnen Europa-Meister im Bananen-Essen. Ecuador ist mit einem Anteil von 33 Prozent der größte Bananenexporteur der Welt.

Vor vielen Jahren. Österreichische Initiativen des Fairen Handels beginnen mit dem Unterfangen, auch Bananen, das erste Frischeprodukt, auf den heimischen Markt zu bringen.

Vor fünf Jahren. 1997 schlossen sich Kleinbauernfamilien in der Provinz El Oro in Ecuador zur Kooperative „El Guabo“ zusammen. Heute zählt sie 105 Mitglieder, die 450 Hektar Boden bewirtschaften. „El Guabo“ erfüllt die Kriterien des Fairen Handels und stellt immer mehr auf biologischen Anbau um.
Bio-Bananen von El-Guabo mit dem Fair-Trade-Siegel sind seit Anfang Februar auch in Österreich im Handel. Dieses Siegel garantiert den ProduzentInnen faire Mindestpreise, direkten Marktzugang, Vorfinanzierung und den Aufbau langfristiger Handelsbeziehungen, die von den herrschenden ausbeuterischen Marktstrukturen unabhängig machen. Den ArbeiterInnen garantiert es gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen sowie die Einhaltung sozialer Mindeststandards.

Vor 25 Tagen. Grün und ungenießbar sind die Bananen noch, wenn die Männer der Kooperative El Guabo die etwa 50 Kilogramm schweren Büschel von den Stauden schneiden.
Die Büschel werden gewaschen, sortiert, in so genannte „Hände“ zerteilt. El Guabo produziert Bio-Bananen. Deren Kronen werden daher mit dem biologischen Fungizid Citrex besprüht, um ein Verfaulen der Krone während des Transportes zu verhindern. Nur ja keine Druckstellen verursachen, lautet die Devise.
In einen Bananenkarton gehören exakt 40 Pfund (18,14 kg).
Per LKW werden die Bananen zum Hafen Puerto Bolívar transportiert.

Vor 23 Tagen. 150.000 bis 300.000 Kartons passen auf ein Kühlschiff. Agrofair, der Europa-Importeur der Fair-Trade-Bananen, schickt jeweils nur etwa 20.000 Kartons auf die transatlantische Reise. Daher teilt Agrofair mit bis zu drei weiteren Importeuren ein Transportschiff. Beladen mit Bananenkartons sticht die „Harvester Monrovia“ mit Kurs auf Hamburg und Zeebrugge in See.
Die Temperatur in den Kühlräumen auf dem Schiff beträgt exakt 13,2 Grad Celsius. Reift eine einzige Banane während der etwa 14 Tage dauernden Überfahrt, kann das die ganze Ladung gefährden.

Vor neun Tagen. Nach dem Löschen der Kühlschiffe werden die immer noch grünen Bananen per LKWs in die Reiferei Melchart im oberösterreichischen Aschau transportiert.

Vor einer Woche. In Reifekammern werden die Bananen auf 15 bis 18 Grad erwärmt und unter Zusatz des natürlichen Gases Äthylen zum Reifen gebracht – zeitlich so verschoben, dass jeweils die benötigte Menge Bananen zur Verfügung steht. Ungefähr eine Woche braucht die Banane, um in der Farbskala von 1 (grün) auf 4-5 zu wechseln. Mit firmeneigenen LKWS werden die Bananen schließlich in die Geschäfte ausgeliefert.

Heute. Bio-Banane im Supermarkt. Wenn sie auf der Farbskala 6 erreicht hat, ist die Banane ideal im Geschmack. Genuss und effiziente Form der Entwicklungszusammenarbeit.

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