Rachid Taha: Tékitoi?

Von Werner Leiss
Wrasse, Vertrieb Harmonia Mundi

Rachid Taha wurde 1958 in der algerischen Hafenstadt Oran geboren, und seine Eltern wanderten nach Frankreich aus, als er erst zehn Jahre alt war. Ein typischer Angehöriger der zweiten Generation arabischer EmigrantInnen in Frankreich also, der so genannten Beurs.
Mit dem Umzug nach Paris und dem Vorfinden eines inspirierenden Umfelds in Vierteln wie Barbés begann sich allmählich seine Musikerkarriere zu entwickeln. Anfang der 1980er Jahre wurde die Band Carte de Séjour (Aufenthaltsgenehmigung) gegründet, womit er sich alleine schon durch den Bandnamen in die Nähe der Antirassismus-Bewegung Frankreichs begab.
Eine Band, die schon damals Rock und eine gewisse Punk-Attitüde mit ihren arabischen Wurzeln verband.
Ende der 1980er Jahre begann ein neuer Abschnitt seiner Karriere durch die Zusammenarbeit mit Steve Hillage. Einem Mann, den seine eigene Karriere auf sonderbare Weise vom Progressive-Rock der tiefsten 1970er Jahre (manche werden sich vielleicht an Gong erinnern) zu Ambient und Techno führte. Die früheren Soloalben Rachid Tahas waren in gewisser Weise eine Mischung von traditionellem Raï mit Popelementen. Es gab einen vorläufigen kommerziellen Höhepunk mit dem Erscheinen des Albums „Diwan“ 1998 und der Veröffentlichung des Live Albums „1,2,3 Soleils“ zusammen mit Khaled und Faudel im Jahre 2000. Darin wurde die Atmosphäre des Konzerts perfekt eingefangen, was nach wie vor für hohe Verkaufszahlen sorgt. Im Laufe der Jahre und spätestens seit dem Erscheinen des, im übrigen großartigen, Albums „Made in Medina“ wurde allerdings immer mehr der Hang zu härterer Gangart mit Rock-und Techno Elementen deutlich. Steve Hillages Produktion und sein Gitarrespiel wurden immer intensiver, immer prägnanter.
Einen Höhepunkt stellte dabei bislang das 2002 veröffentlichte Live-Album dar, auf dem die letzten zwei Tracks, „Voilà Voilà“ und „Garab“ die wahrscheinlich allerschärfsten Techno-Nummern mit Stromgitarre sind, die irgendwie erhältlich sind.
Das neue Album „Tékitoi?“, umgangssprachlich für: „Wer bist du?“, setzt den gemeinsamen Weg nun nicht nahtlos fort und reiht sich zwischen dem akustischeren und folkloristischeren „Diwan“ und „Made in Medina“ ein. Das dokumentiert auch die Besetzung des Albums. Hossam Ramzy kümmert sich um die arabische Percussion, während Brian Eno bisweilen Kaoss Drums und Synthesizer bedienen darf. Auf Track 2 nämlich. Der heißt „Rock El Casbah“, beginnt mit dem Spiel der algerischen Flöte, ist aber natürlich eine Adaption des guten alten Clash-Hits „Rock The Casbah“. Womit wir endlich beim politischen Statement wären. Tékitoi?

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